Das traditionelle Abschlussfeuer

Schnell ist sie vorbei gegangen, die Zeit in St. Florian. Trotzt der großen Hitze waren „unsere“ Kinder eifrig bei der Sache: Sie haben jede Menge Farben hergestellt, Experimente durchgeführt und Kunstwerke produziert. Diese durften wir am Freitag wieder im Foyer der Schule ausstellen, sodass alle Besucher der Abschlussveranstaltung die tollen Bilder und Skulpturen betrachten konnten.

Die schönste Erinnerung wird aber wieder die an den Donnerstagabend sein: Kurz vor Einbruch er Dämmerung zogen wir, begleitet von wilden, rhythmischen Trommelklängen, mit den Kindern vom Schulgebäude hin zu einem Platz oben im Obstgarten, wo das Freizeitteam schon eine große Holzpyramide erbaut hatte. Wir stellten uns in einem großen Kreis um diesen Holzstoß auf, der feierlich entzündet wurde. Eines der ältesten Rituale der Menschheitsgeschichte! Wir sangen einige Lieder, vor allem das traditionelle Abschlusslied der Sommerakademie, dessen Refrain heuer neu vertont worden war. Eines der Kinder fragte mich, warum wir denn alle ins Feuer schauen sollen? Nun, ich denke, dass alle Menschen – sofern sie nicht ganz ganz jung wieder von uns gehen müssen – dazu neigen, den springenden, züngelnden Flammen zuzuschauen und von ihrem wilden Tanz gebannt werden. Und so treffen sich in jedem Feuer die Blicke aller Menschen, seit dem Anbeginn unserer Zeit. Und während wir im Anblick des Feuers versunken waren, kam Alexanders großer Auftritt: Er erzählte uns die Geschichte „Der vergessene König“, einen wundervolles Märchen über Oberon und Titania. Die Kinder saßen muxmäuschen still, während sich Wolkenberge vor den Mond schoben und der Wind in das Feuer blies, und lauschten der Stimme des Geschichtenerzählers. Er unterstrich seine Worte immer wieder mit einem langen, gewundenen Stock, auf den er sich mitunter auch stütze, und übergab diesen zum Abschluss den Flammen. Die Kinder - nein, wir alle -  waren verzaubert von dieser magischen Erzählung.

Kurz nach Mitternacht ging ich mit Erika, der Leiterin und Guten Seele der Sommerakademie, zum Feuerplatz zurück um nachzusehen, ob das Feuer auch ordentlich gelöscht worden war. Wir nahmen keine Taschenlampe mit, denn ich hatte meine Geige dabei und wollte mich ganz auf meine Nachtsicht verlassen können. Ich spielte ihr das Lied „King of Fairis“ vor – eines der wenigen Stücke, die ich auswendig kann. Welches Lied passte besser zu einem Märchen von Oberon, dem Feenkönig?

Danke, liebe Erika, danke, lieber Alexander, danke auch an alle anderen für die schöne Woche in St. Florian!

Eure

Rosensilke


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